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Von der Jagd

Das Jagen liege dem Bündner seit altersher im Blute, ist eine verbreitete Auffassung. Die spärlichen Quellen, die über die Jagdverhältnisse in unserem Tale Aufschluss geben, besagen eher das Gegenteil. Die Zahl der Jäger im Schams wird um das Jahr 1800 mit nur 7 bis 8 angegeben, welche zusammen 70 bis 80 Gemsen jährlich zur Strecke brachten. Ein Jäger aus Andeer schoss nach alter Überlieferung während seines Lebens 176 Gemsen, was als viel galt.

Der Bestand an Gemsen und Murmeltieren war beträchtlich, aber Wolf, Luchs und Bär, die hin und wieder noch zu Zeiten unserer Ahnen auftauchten, sorgten für einen gesunden Ausgleich.

Der letzte Meister Petz in Schams wurde im Tscherawald oberhalb von Andeer von den Jägern Johann und Christian Rostetter sowie von Peter Mani von Pignia erlegt. Dies geschah am 13. Oktober 1849. Nur war diese Jagdbeute etwa kein Grizzlybär, sondern vielmehr das Gegenteil. Sein Gewicht betrug ganze 70 Kilo. [i]

Donatus Joos, damals 15 jährig, und ein talentierter Zeichner berichtet: „Als ein Bär in der Nähe des Dorfes geschossen wurde, musste ich diesen in allen möglichen Stellungen zeichnen, wie man ihn auf Tannenästen von der Halde herunterschleifte, oder mit weit geöffnetem Rachen, auf dem Rücken liegend oder auf den Hinterbeinen stehend.“

Auf dem Dorfplatz konnte das erlegte Tier von jedermann bestaunt und die drei Nimrode bewundert werden. Als Abschussprämie erhielten sie in Andeer von der Gemeinde 10 Gulden.

Die Jäger zogen dann mit dem Fell des Bären auch in andere Dörfer und sogar über die Alp „Albin“ ins Oberhalbstein hinüber, wo der Bär unter den Schafherden Schaden angerichtet hatte.

Fast überall konnten die Drei gewisse Gaben der Anerkennung entgegennehmen. In der Gemeinde Cunter fand ihre triumphale Tournée ein jähes Ende. Der Gemeindevorsteher wollte wissen, ob sie Erlaubnis hätten, Prämien zu kassieren. Dies war nicht der Fall. Er verabreichte ihnen zwar einige Gulden, liess sie aber dann bis an die Grenze von Schams bei Mutten zurückgeleiten.

Es wurden im Schams auch später noch Bären gesichtet oder zumimest vermutet, geschossen wurden aber keine mehr. Im Jahre 1851 setzte die Gemeinde einen Betrag von 50 Gulden oder Franken für den Abschuss eines Wolfes fest, der auf „Ursera“ Ziegen gerissen hatte.

Für die Ausmerzung eines Bären oder „eines ähnlichen Tieres“ versprach die Gemeindebehörde im Jahre 1867 sogar 100 Franken. Den Nachweis zum Einzug der ausgesetzten Prämie berechtigt zu sein, konnte aber niemand erbringen.

Treibjagden gegen Wölfe und Luchse fanden auch bei uns statt, letztmals wahrscheinlich auf der Alp „Durnan“. Dort waren Ziegen getötet aufgefunden worden. An solchen Treibjagden nahm die ganze Bevölkerung teil. Die anwesenden Jäger trugen Schusswaffen die übrigen Lärminstrumente aller Art. Das Ziel war, das gesuchte Tier aufzuscheuchen, zur Strecke zu bringen oder durch den Spektakel für immer zu vertreiben.

Von einem leidenschaftlichen Jäger

Vor vielen Jahren erzählte ein Bekannter: „Einstens vor Tagesanbruch, noch in der Nacht, wie damals üblich, waren mein Freund und ich zur Niederjagd aufgebrochen. Unweit der „Cutschalera“ stolperten wir über etwas, das am Wege lag. Wir entfachten Streichhölzer und entdeckten, dass das Hindernis unser schlafender Nachbar war. Mit rütteln und schütteln brachten wir ihn endlich wach. Er war total blau. Auf unsere Frage, was er hier oben mache, brachte er stotternd hervor: „Ich bin auf der Jagd!“ Das Gewehr hatte er aber zu Hause vergessen.“



[i] Friedrich Tschudig: "Das Tierleben der Alpenwelt. "